Gedichte aus dem Bezirk:

 


 

Des Zuckerbäckers neue Freundin

 

Des Zuckerbäckers neue Freundin

 Ist seit gestern auf Diät

 Kein Nougat, Kuchen, Schokolade

 Darum die Welt sich nicht mehr dreht

 So wie die Models bei der Heidi

 Möchte sie nun plötzlich sein

 Hat sie denn dabei vergessen

 Dass sie dafür ist zu klein?

 Ach, wie schön waren die Zeiten

 Als verliebt er durfte sein

 Schokoherzen, Liebesperlen

 Pralinés mit etwas Wein

Wie sie beide dann genossen

Traute Zeit der Zweisamkeit

Warm und wohlig hingegossen

Das muss paradiesisch sein

Doch vorbei  ist nun das schöne

Wunderbare Paradeis

Nicht Marzipan, noch Schokolade

Nicht einmal Zitroneneis

Das was er an ihr so liebte

Büßte sie auf einmal ein

Nicht nur das Weibliche und Runde

Auch ihr Humor, das Lustigsein

Von Salat und auch von Möhren

Sie nun sprach den ganzen Tag

Auch dass sie nach 20 Runden

Laufen nichts mehr essen mag.

Unser armer Zuckerbäcker

Wusste weder aus noch ein

Musste denn auf einmal jeder

Neues Supermodel sein?

Und so kam es – ja ihr ahnt es

Bald war die Geschichte aus

Alle beide gingen abends

Nun allein nach Haus.

Und die Moral von der Geschichte:

Rennt nicht irgendeinem Wichte

Der Bescheid weiß hinterher

Denn der ist im Zweifelsfalle

Fitness Studio Inhaber

Sabine Krügler-Nagel

Dezember 2013

 


 

 Molli  –  oder: 

 das Schaf mit dem weiß roten Strickpulli

 

Da steht es nun, das kleine Schaf

 Mit großen Augen, ganz verloren

 Die Oma hat es gestern Nacht

 Vor Weihnachten einfach geschoren.

 Dabei sollte das kleine Schaf

 Beim Krippenspiel ganz vorne stehen

 Die Kinder alle, groß und klein

 Sollten Mollis Wolle sehen.

 Ein richtig schönes Weihnachtsschaf

 Ganz kuschelig und frisch gewaschen

 Sollte an der Kirchenkrippe

 Weihnachtsatmosphäre schaffen

 Na ja, die Oma ist schon alt

 Fast 120 Jahre bald

 Sie war schon ihrer Zeit voraus

 Und dachte an den Osterschmaus

 Dazu braucht man ein feines Lamm

 Noch jung und ordentlich geschoren

 Warum hat denn die Oma nur

 Schaf Molli dazu auserkoren?

 Den Irrtum hat sie bald bemerkt

 Und wusste weder ein noch aus

 Was machen wir mit Molli nur?

 Kein Krippenschaf? Kein Osterschmaus?

 Schaf Molli weinte bitterlich

 Jetzt musste schnelle Hilfe her

 So nackt war sie kein Weihnachtsschaf

 Sie brauchte einen Pullover

 Die Kinder aus der Nachbarschaft

 Verstanden Ihre Freundin Molli

 Sie holten schnell die Nadeln raus

 Und strickten einen Weihnachtspulli

 In weiß und rotem Weihnachtsstrick

 Die Mütze passend, richtig schick

 Stand nun das Schaf, die kleine Molli

 Beim Krippenspiel im Weihnachtspulli          

 

 Sabine Krügler-Nagel          Dezember 2013

 


 

Nach Hause

 

Nach Hause

Der Gedanke zieht uns übers Meer

Des Windes leise Sause

Treibt uns vorher

 Der Himmel in Rot und Gelb getaucht

Die Endlosigkeit in diesem Moment

Auch die letzten Sorgen sind verbraucht

Und das Glück keine Grenzen mehr kennt

 So treiben wir leise dahin

Unsere einzigen Begleiter, vor dem Bug

Ein Schwarm Fische ganz flink

Sie haben wie wir von allem genug

 Neben mir mit ´nem Lächeln im Gesicht

Auch er sich freut

Dass er hält was er verspricht

Und es uns nicht in den Winden zerstreut

 Mein Bruder und ich auf dem Weg nach Hause

Denn das ist unser Ziel

Unser Zuhause

Ni.Na  2013

 


 

Sehnsucht

 

In dem tiefen Blau

Unendlich weit

Dort leben ganz schlau

Für immer vereint

 Ein Fisch ganz klein

Und eine Koralle, so bunt

Ihre Liebe ist rein

Denn sie hat einen Grund

 Sie brauchen sich

Für ihr Lebensglück

So fühl ich auch mich

Wenn du kommst zurück     

                                                                                                                                                                

                                                                    Ni.Na 2013                


 

 

Ich, Anna Maria Magarete, kann mich bis an den ersten Tag erinnern, als ich auf der Welt war:

meine Mutter lag auf einem alten, braunen Chaiselongue. Die Hebamme saß, während meine Mutter sich krümmte,

da und strickte. Und ich erblickte das Licht der Welt.

Meine Mutter holte den Hausarzt, Dr. Keppler, von der Nixenstraße in Wersten.

Der wies mich sofort in die Kinderklinik der Universität Düsseldorf ein,

da ich Ernährungsprobleme hatte und abgemagert war.

Meine Mutter nahm mich jedoch nach kurzer Zeit auf eigene Verantwortung mit nach Hause,

da die Schwestern mich im Durchzug liegen gelassen haben: Ich lag halbnackt unter einem offenen Fenster.

Ich war krebsrot und meine Mutter rieb, zu Hause angekommen, meinen ganzen Körper mit einer Tinktur ein.

Mein vier Jahre älterer Bruder Herrmann nahm mich aus dem Kinderwagen, einem weißen Korbwagen,

und mein Köpfchen kippte nach hinten. Da lief er zur Mutter und Oma und sagte zu Ihnen: „Westerken weint!“

Ich wuchs heran. Im Alter von zwei Jahren stellte mein Vater mich auf den Tisch in unserer Wohnung und ließ mich tanzen.

Wenn meine Mutter mich anzog, setzte sie mich dafür immer auf die Nähmaschine – von der ich wieder und wieder herunter purzelte.

Ich war ein wildes Kind, bin oft und viel gefallen und habe das alles immer weggesteckt, obwohl ich Schmerzen hatte.

 

Maria Müller

 

Dienstag, 30.10.2012

 


 

Der Innerirdische

 

Ich bin von der innerirdischen Fraktion

und pflege keinen besonders guten Ton

 Ich grabe große Löcher in die Wand,

bin ständig auf der Suche nach meinem Verstand

 Keine Wolke wechselt die Farbe für mich

Wie immer lässt nur meine wilde Phantasie mich im Stich

 Jeder neue Tag ist für mich sehr schwer

Denn ich habe außerdem auch keine gesunden Träume mehr

 Lange konnte mir niemand die Wahrheit über meine gestörten Gedanken erzählen

Ich musste mich jahrelang durch meine Halluzinationen quälen

 Besonders die völlig abgedrehten Klinikjahre waren sehr hart

Ich dachte damals schon, ich wäre auf meiner letzten großen Fahrt

 Ich dachte, ich wäre lebendig begraben

Denn die bürgerliche Gesellschaft wollte mich nicht mehr haben

 Ich war gezeichnet durch mein von den bösen Pillen aufgeschwemmtes Idiotengesicht

Deshalb passte ich nur noch in die von der Gesellschaft verdammte  Unterschicht

 Niemand ließ sich mehr bei mir blicken

Jeder wollte mich für die Ewigkeit in meine private Hölle schicken

 Keiner dieser sogenannten besseren Leute dachte daran, dass auch in ihren wohlerzogenen Schädeln ganz schnell

der Blitz einschlagen und somit auch ihren noblen Geist auf der Stelle töten kann

 

Rolf Odenhausen

 


 

 

Mein Freund 

Mein Freund ist klein und hat vier Pfoten

Er hat ´ne Schnauze und ´nen Schwanz

Er hat sich in mein Herz gewedelt

Mit Haut und Haaren – gar und ganz

 Er tobt und springt und trägt gern Stöcke

Versteckt sich gerne unterm Schrank

Von dort er schaut gern unter Röcke

Der kleine Schelm, was er wohl denkt?

 Die Kinder sind seine Gefährten

Was sie auch tun, er ist dabei

Er würde sie niemals verraten

Auch manches Ding schon ging entzwei

 Voll Neugier und Interesse er

Empfängt gern neue Gäste

Ein Einbrecher hätt` es nicht schwer

Bringt von der Wurst er Reste

 Berechnend ist mein kleiner Hund

Man kann es ja versuchen

Schmeichelt man der Oma sehr

Gibt`s vielleicht auch Kuchen

 Doch neulich – wer hätt das gedacht

Mein Hund auf Freiers Füßen

Da wollte er dem Nachbarshund

Den Nachmittag versüßen

 Des Nachbarn Hundedame war

Doch leider schon vergeben

Ein Bernhardiner war schon da

Fast wie im richtgen Leben

 So kam mein kleiner Hund dann heim

Mit trübem Hundeblick

Alsbald schlief er im Körbchen ein

Nach so viel Missgeschick

 Ein Hund versteht dich ohne Worte

Er ist dein Freund das ganze Jahr

Und hast Du ihn dann einmal nicht mehr

Merkst Du erst welcher Freund er war´

                                     

Sabine Krügler-Nagel(2013)

 


 

Mittwoch, der 8. Januar 2014               in Hannover

 

Hannover im Winter

Zeit für Schnee

Doch verstecken tut sich eher

Im Gras der Klee

Die Blumen blühen

Die Temperatur will nicht sinken

Keine Blätter am Baume

Aber die Pflanzen winken

Weihnachten schon um

Die Schule geht weiter

Die Lehrer sind froh

Die Schüler sind heiter

Alles ist gut

Der Alltag ist klar

Die Menschen freuen sich wieder

Auf ein frohes neues Jahr

                                                                KJ

 


 

Die Schlüssel meines Lebens

 

Meine Freunde sind wie Schlüssel, Ich bin das Schloss

Ich verleihe meine Schlüssel an die, die mir etwas bedeuten

Wenn ich einen Schlüssel verleihe gehe ich das Risiko ein, dass der Schlüssel verloren geht

Wer einen Schlüssel hat, kann mich öffnen und in mein Inneres sehen

Manchen gibst du einen Schlüssel und sie geben ihn weiter

Und das ist eins der schlimmsten Dinge, die deinem Schloss passieren können

Wer meinen Schlüssel verliert dem bleibe ich verborgen

Sobald alle Schlüssel verloren sind bleibe ich für immer verschlossen

Also überlege, wem du einen Schlüssel gibst und vergiss nicht,

Dass die Schlüssel anderer genauso viel wert sind wie deine eigenen.

 

KJ, 2012

 


 

Freitag, 25.10.2013

 

Eine persönliche Betrachtung

Der schwermütige Russe kapert keine feindlichen Touristenbusse

Der fortschrittliche Amerikaner massakriert keine Indianer

Der fleißige Chinese raubt keinen holländischen Käse

Der zivilisierte Germane schreibt sich Demokratie auf die Fahne

Die politisch führenden Nationen wollen ihre Untertanen keinesfalls verhohnen

Die großen Lenker der Geschichte sind allesamt finanzielle Schwergewichte

Sie sind auch nicht dumm, denn sie machen für ihr tägliches Brot keinen einzigen Finger krumm        

Für ihren Wohlstand sorgen die fleißigen Arbeitsarmeen

Die schon kurz nach Sonnenaufgang an ihren Fabrikmaschinen stehen

Diese staatlichen Regierungsformationen

Werden bestimmt schon bald keine kleinen Erdenbürger mehr vor ihrer gnadenlosen Ausbeutung verschonen

Die Bodenschätze militärisch unterentwickelter  Länder

Sind natürlich nur der Lohn der Supermächte für die Beseitigung der dortigen Menschenschänder

Die hochgerüsteten Herren der gesamten Welt

Spielen die Weltpolizei natürlich nicht wegen irgendwelcher Waggons voller ordinärem Geld

Auf den politischen Karrierepisten

Findet man ausschließlich idealistische Pazifisten

Die in ihren verfallenen Promiburgen herumlungern

Und nach einer kostenlosen Lösung suchen, damit nicht mehr allzu viele Menschen erbärmlich verhungern

Mit Kaviar und Austern sind die Ärmsten der Welt nicht satt zu kriegen

Deshalb haben die Mächtigen auch schon kühne Pläne in ihrem geheimen Tresoren liegen

Und es werden auch schon erste Versuche angestellt

Wie sich altes, verschimmeltes Brot lange genug auf den Abfallhalden hält

Denn nur auf diese drastische Weise vertreibt man den Hunger auf der Welt

Und zwar ohne das für die Reichen und Schönen so kostbare und überlebenswichtige Geld

 

Rolf Odenhausen


 

Auszug aus dem Buch
„Der Fuchs mit den Glasaugen“/Episode II“
von Günter F. Schmitz

Der Autor beschreibt seine ungewöhnlichen und dramatischen Kindheitserlebnisse nach Kriegsende in Lippstadt und anderswo.

Weg aus Lippstadt

Dass eine familiäre Katastrophe unmittelbar bevorstand, ahnten wir alle nicht.

Und, dass mein Vater darauf bestand, dass ich feste Schuhe, meinen dicken Mantel und meine Mütze anziehen sollte,

bei dem schönen Wetter, machte uns auch nicht stutzig.

Ich hatte nur große Kugeln Vanilleeis vor Augen,

zog ungeduldig an seinem Ärmel und wollte endlich los. Richtung Bahnhof.

Zweieinhalb Kilometer durch Wiesen und Felder, Gärten mit Spalierobst, karger Bebauung und keinerlei Kriegsschäden.

Auffallend war nur, dass die früher sorgfältig gepflegten,

üppig blühenden und sonst immer liebevoll bearbeiteten Gärten etwas heruntergekommen und irgendwie abgefressen aussahen.

Das Zeichen fehlender Männer, wie es hieß.

Nur das Notwendigste wurde in Ordnung gehalten. Luxus musste hinten anstehen.
Bis auf die großen, hinter jedem Haus zu sehenden Karnickelställe

Voll mit fetten Hasen, die eine willkommene Ergänzung des Speisezettels waren und die,

wenn sie ihr Gewicht erreicht hatten, als Sonntagsbraten serviert wurden.
Ein einiges Mal hatte ich mir einen Stall näher angeschaut und dabei unmittelbar in die neugierigen,

großen Augen eines Tieres geblickt. Mit den zitternden Barthaaren und der mümmelnden Nase.

Das wars. Für den Rest meines Lebens.
Hase auf den Teller?

Niemals.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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